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E-Sport Preisgelder von Frauen: der Gender-Pay-Gap in aktuellen Zahlen

Die 100 bestverdienenden Spielerinnen kommen zusammen auf weniger Preisgeld als der Erste der Männerliste allein.

Männerspitze: N0tail
7,18 Mio. $
Frauenspitze: Scarlett
472.111 $
Summe der 100 besten Frauen
6,56 Mio. $
Scarletts Summe im Verhältnis zu N0tail
6,6 %
Frauenanteil unter E-Sport-Profis
5 %

Wer führt die Frauenliste an?

Datenbasis ist Esports Earnings (Abruf 1. Oktober 2026), eine öffentlich geführte Datenbank für Turnierpreisgelder. Berechnet wurden nur Summen und Rangplätze aus den dort veröffentlichten Listen. Die Spitze der Frauenliste liegt bei einem Bruchteil dessen, was die Männerspitze verdient hat.

RangSpielerinPreisgeldHauptspiel
1Sasha „Scarlett“ Hostyn472.111 $StarCraft II
2Li Xiaomeng „Liooon“241.510 $Hearthstone
3Alexis Guarrasi „alexis“131.290 $VALORANT
3Melanie Capone „meL“131.290 $VALORANT
5Ksenia Klyuenkova „vilga“127.758 $Counter-Strike: Global Offensive
6Katherine Gunn „Mystik“122.550 $Multigaming
7Michaela Lintrup „mimi“116.257 $VALORANT
8Petra Stoker „Petra“115.227 $VALORANT
9Rumay Wang „Hafu“110.147 $Hearthstone Battlegrounds
10Alexandra Timonina „twenty3“103.203 $Counter-Strike: Global Offensive

Platz 100 der Frauenliste erreicht 33.251 Dollar. In den Top 100 dominieren VALORANT (21 Spielerinnen), Counter-Strike: Global Offensive (20), Fortnite (15) und Mobile Legends: Bang Bang (10), gemeint ist jeweils das Spiel mit dem meisten Preisgeld der Person.

Auffällig ist, wie stark die Spitzenwerte an einem einzigen Spiel hängen. Bei Scarlett stammen 99,21 Prozent ihres Preisgelds aus StarCraft II, bei Liooon 99,77 Prozent aus Hearthstone, bei alexis und meL jeweils 100 Prozent aus VALORANT. Breiter aufgestellt sind nur wenige, etwa Hafu, deren Hearthstone-Battlegrounds-Anteil bei 37,45 Prozent liegt.

Wie sieht die Männerliste im Vergleich aus?

VergleichMännerFrauen
Platz 1N0tail: 7.184.163 $Scarlett: 472.111 $
Spielerinnen und Spieler unter den 1.000 Besten9991 (Hostyn, Platz 653)
Marke von Platz 1.000339.173 $Liooon als Zweite: 241.510 $, darunter
Spitze nach SpielTop 10 sämtlich Dota 2 (N0tail, JerAx 6,49 Mio., Miposhka 6,25 Mio., ana 6,02 Mio., Yatoro 5,99 Mio. und weitere)verteilt auf viele Spiele

Die Männerspitze entsteht also in einem Spiel mit sehr hohen Preisgeldern, die Frauenspitze verteilt sich.

Wie groß ist der Abstand in Zahlen?

Aus den beiden Top-100-Listen lässt sich der Abstand nachrechnen. Die 100 bestverdienenden Männer kommen auf zusammen 285.721.964 Dollar, die 100 bestverdienenden Frauen auf 6.560.631 Dollar. Geteilt ergibt das einen Faktor von rund 43,6 (285.721.964 : 6.560.631).

Summe der Top 100, Männer zu Frauen
43,6 : 1
Platz 100 der Männerliste
1.607.068 $
Platz 100 der Frauenliste
33.251 $
Scarlett im Vergleich zu Platz 100 der Männer
29 %

Der Mann auf Platz 100 der Gesamtliste hat 1.607.068 Dollar gewonnen, die Frau auf Platz 100 der Frauenliste 33.251 Dollar. Das ist ein Verhältnis von rund 48 zu 1. Selbst die beste Spielerin aller Zeiten, Scarlett, liegt mit 472.111 Dollar bei 29 Prozent dessen, was der hundertste Mann erreicht hat (472.111 : 1.607.068).

Aussagekräftig ist das nur zusammen mit dem Kontext: Die Männerliste wird von Dota 2 dominiert, dem Spiel mit den höchsten Turnierpreisgeldern. In den Top 10 der Frauenliste taucht Dota 2 nicht auf.

Wie verteilt sich das Preisgeld unter den 100 Frauen?

Auch innerhalb der Frauenliste ist das Geld ungleich verteilt. Die zehn besten Spielerinnen haben zusammen 1.671.342 Dollar gewonnen, das sind 25,5 Prozent der Summe aller 100. Der Mittelwert der Liste liegt bei 65.606 Dollar, der Median bei 47.048 Dollar. 14 Spielerinnen haben mehr als 100.000 Dollar gewonnen, 47 mehr als 50.000 Dollar.

KennzahlFrauen (Top 100)Männer (Top 100)
Summe6.560.631 $285.721.964 $
Platz 10033.251 $1.607.068 $
Median47.048 $2.193.306 $
Mittelwert65.606 $2.857.220 $

Zum Vergleich: Der Median der Männer-Top-100 liegt bei 2.193.306 Dollar, rund das 47-Fache. Hinter jedem dieser Werte steht eine Laufbahn über mehrere Jahre. Ein Preisgeld ist deshalb kein Jahreseinkommen und lässt sich nicht mit einem Gehalt vergleichen.

Woran liegt die Lücke?

Die Einzelursachen sind umstritten. Drei Befunde lassen sich belegen:

FaktorBeleg
BeteiligungFrauen stellen laut The National (10. Juli 2026) 48 Prozent der Spielenden, aber nur rund 5 Prozent der E-Sport-Profis.
Eigene Turniere, kleinere TöpfeDie Frauen-Preisgelder erreichten 2025 mit 3,3 Millionen Dollar ihren Höchstwert, ein Fünftel davon aus dem Nahen Osten und Nordafrika. Scarletts Karrieresumme entspricht rund 14 Prozent dieses Jahresvolumens.
SichtbarkeitEine Studie von Petr Parshakov (2026) zu Counter-Strike fand weniger Zuschauer und weniger Preisgeld für Spielerinnen, auch nach Berücksichtigung von Leistungskennzahlen. Die Einzelwerte liegen hinter einer Bezahlschranke.

Der saudische Prinz Faisal bin Bandar sagt in The National, junge Frauen müssten sehen, dass andere Frauen es schaffen. Saudi-Arabien nennt etwa 20 Prozent Frauenanteil unter seinen E-Sport-Teilnehmenden.

Warum spielen fast halb so viele Frauen, aber so wenige Profis?

Der Unterschied beginnt vor dem Turnier. Laut dem Bericht „Global Power of Play“ der Entertainment Software Association von 2025 (mehr als 24.000 Befragte in 21 Ländern) sind 48 Prozent der Videospielenden weltweit Frauen. Im Profibereich schrumpft der Anteil: Women in Games schätzt, dass Frauen etwa 5 Prozent der im E-Sport Arbeitenden oder Antretenden ausmachen, die Forschungsgruppe Bryter sieht unter 5 Prozent der Profis bei Weltmeisterschaften.

Dabei fehlt es nicht am Interesse. In der Bryter-Umfrage zeigte mehr als ein Drittel der befragten Spielerinnen Interesse an einem E-Sport-Turnier. Als Hürden nennen Bryter und Women in Games fehlende Ressourcen, weniger Möglichkeiten, wenig Unterstützung für Frauenteams sowie Belästigung und Beschimpfungen in Online-Räumen. Schon beim Zuschauen zeigt sich ein Abstand: Nach Zahlen von Deloitte, die Esports Insider berichtet, waren 2024 weltweit 46 Prozent der Spielenden Frauen, aber nur 33 Prozent der E-Sport-Zuschauenden.

Frauenanteil unter Spielenden (ESA 2025)
48 %
Frauenanteil unter Profis
≈ 5 %
Frauen unter Spielenden / Zuschauenden (Deloitte 2024)
46 % / 33 %
Frauenanteil im saudischen E-Sport
≈ 20 %

Was ändert sich durch Förderprogramme und Frauenturniere?

Publisher und Verbände versuchen gegenzusteuern. Riot Games startete 2021 „Valorant Game Changers“, um Frauen und anderen marginalisierten Geschlechtern in VALORANT mehr Auftritte zu verschaffen. Das Modell wurde auf League of Legends in der Region EMEA übertragen, der Wettbewerb „Rising“ läuft 2026 von Mai bis Oktober.

Saudi-Arabien zeigt, wie schnell sich der Anteil verändern kann:

  • 2018 gab es nach Angaben von Prinz Faisal ein Profi-Team, sechs Profispieler und ein Entwicklungsstudio.
  • Heute sind es mehr als 200 Teams und mehr als 2.000 Spielende, etwa 20 Prozent davon Frauen.
  • Der Verband stellt siegreiche Spielerinnen gezielt im Fernsehen und in Magazinen heraus.
  • Esports Charts meldet für 2025 weniger Frauenturniere als im Vorjahr, aber eine gestiegene durchschnittliche gleichzeitige Zuschauerzahl.

Was zeigen die Zahlen nicht?

Es geht um Preisgeld. Gehälter, Sponsoring und Streaming fehlen, und Streaming ist für manche Profis die größere Einnahmequelle. Die Zahlen unterschätzen deshalb das Gesamteinkommen aller. Die Zuordnung zur Frauenliste beruht auf den Betreibern der Datenbank, die 3,3 Millionen Dollar stammen aus einem Pressebericht ohne erklärte Zählweise.

Länderwerte nach Geschlecht stehen hier nicht, weil sich keine überprüfen ließen.

Auch der Begriff „Pay Gap“ ist hier mit Vorsicht zu lesen. Preisgeld ist kein Gehalt, es hängt von Platzierung und Turnier-Etat ab. Die Parshakov-Studie, die im Titel von „Pay Discrimination“ gegen Frauenteams spricht, betrachtet Leistung, Zuschauerzahlen und Preisgeld gemeinsam. Die Ergebnisse im Einzelnen sind nur Abonnenten zugänglich und werden hier nicht wiedergegeben.

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1Wie viele Frauen stehen unter den 1.000 Bestverdienenden aller Zeiten?
2Was misst Esports Earnings?
3Wie hoch ist der Frauenanteil unter E-Sport-Profis laut The National?

Häufige Fragen

Wie viel hat die bestverdienende E-Sport-Spielerin bisher gewonnen?

Sasha Hostyn, Spitzname Scarlett, mit 472.111,32 US-Dollar Preisgeld, fast alles davon in StarCraft II. Das nennt die Datenbank Esports Earnings (Abruf 1. Oktober 2026).

Wie viele Frauen stehen unter den 1.000 Bestverdienenden aller Zeiten?

Nach der Esports-Earnings-Rangliste genau eine: Hostyn auf Platz 653. Die Zweitplatzierte der Frauenliste, Li Xiaomeng alias Liooon mit 241.510 Dollar, liegt unter der Marke von 339.173 Dollar, die Platz 1.000 trennt.

Misst die Datenbank das gesamte Einkommen von Profis?

Nein. Esports Earnings zählt Turnier-Preisgeld. Gehälter, Sponsoring und Einnahmen aus Streaming fehlen. Der Vergleich zeigt deshalb nur einen Teil des Einkommens.

Wie hoch ist der Frauenanteil im E-Sport?

Laut The National (10. Juli 2026) stellen Frauen 48 Prozent der Videospielenden weltweit, aber nur rund 5 Prozent der E-Sport-Profis und der Teilnehmenden an Weltmeisterschaften. Die Frauen-Preisgelder erreichten demnach 2025 mit 3,3 Millionen Dollar einen Rekord.

Gibt es Forschung zur Ursache der Lücke?

Ja. Eine Studie von Petr Parshakov in Humanities and Social Sciences Communications (2026) untersucht Counter-Strike und kommt zum Ergebnis, dass Spielerinnen weniger Zuschauer und weniger Preisgeld erhalten, auch nach Berücksichtigung von Leistungsmaßen. Die Einzelwerte liegen hinter einer Bezahlschranke und werden hier nicht zitiert.

Quellen

  1. Esports Earnings: Top 100 Female Players
  2. Esports Earnings: Highest Overall Earnings
  3. The National: Esports has a gender gap problem (10.07.2026)
  4. Sports Litigation Alert: Study finds gender disparities in esports viewership and prize money
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