- Fragen im Lie/Bet-Screening
- 2
- Menschen mit problematischem oder pathologischem Spielverhalten (BIÖG)
- 500.000
- kostenlose, anonyme Beratung
- 0800 1 37 27 00
- kürzeste OASIS-Selbstsperre
- 3 Monate
Woher stammen die zwei Fragen?
Sinngemäß lauten sie: Mussten Sie jemals Menschen, die Ihnen wichtig sind, über das Ausmaß Ihres Glücksspiels belügen? Und: Hatten Sie jemals das Bedürfnis, immer höhere Beträge zu setzen? Die Übersetzung ist unsere; die Fragen stehen in der polnischen Adaption von Dąbrowska, Sierosławski und Wieczorek, die sich auf die Originalautoren beruft.
Die Originalarbeit von Johnson, Hamer, Nora, Tan, Eisenstein und Engelhart erschien 1997 in Psychological Reports (Band 80, Seiten 83 bis 88). Die zwei Items sind aus den zehn DSM-IV-Kriterien für pathologisches Glücksspiel abgeleitet. In der Literatur steht teils die Jahreszahl 1988; die in PubMed nachgewiesene Originalarbeit stammt von 1997.
| Studie | Stichprobe | Sensitivität | Spezifität | positiver Vorhersagewert |
|---|---|---|---|---|
| Johnson et al. 1997 | 362 Männer (191 pathologische Spieler, 171 Kontrollen) | 0,99 | 0,91 | 0,92 |
| Folgestudie 1998 | 295 Männer, 128 Frauen | 1,00 | 0,85 | 0,78 |
Die Autoren halten die Fragen für ein nützliches Screening im Hinblick auf eine DSM-IV-Diagnose, nicht für mehr.
Warum ist ein Screening keine Diagnose?
Sensitivität heißt: Von hundert Menschen mit Spielproblem erkennt der Test fast alle. Spezifität heißt: Bei einigen Menschen ohne Problem schlägt er trotzdem an. Das wird ernst, wenn das Problem selten ist. Eigene Rechnung aus den Kennwerten der Folgestudie, angenommen ein Prozent von 10.000 Menschen hat ein Spielproblem:
| Gruppe | Personen | Test auffällig |
|---|---|---|
| mit Spielproblem | 100 | 100 (Sensitivität 1,00) |
| ohne Spielproblem | 9.900 | 1.485 (15 Prozent, Spezifität 0,85) |
| zusammen | 10.000 | 1.585, davon trifft rund jedes sechzehnte zu |
Der Anteil in der Wirklichkeit hängt von der Stichprobe ab, die Größenordnung bleibt. Umgekehrt erfassen zwei Fragen nicht, wie viel Geld im Spiel steckt oder wie es Ihnen dabei geht. Die polnische Adaption empfiehlt ab zwei „Ja“ ein Gespräch mit Fachleuten; bei einem „Ja“ lohnt ein genauerer Blick. Den ausführlicheren Selbsttest bietet check-dein-spiel.de des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG).
Welche Anzeichen nennt das BIÖG?
Auf check-dein-spiel.de fragt das BIÖG unter anderem:
- Setzen Sie mehr Geld ein, als Sie sich leisten können?
- Steigern Sie den Einsatz, um den gewünschten „Nervenkitzel“ zu erreichen?
- Haben Sie versucht, weniger zu spielen, und es hat nicht geklappt?
- Werden Sie unruhig und gereizt, wenn Sie nicht spielen können?
- Spielen Sie, um mit Angst oder Traurigkeit umzugehen?
- Spielen Sie weiter, um verlorenes Geld zurückzuholen?
- Haben Sie sich Geld geliehen oder andere um Geld gebeten, um Spielschulden zu bezahlen?
- Haben Sie jemanden, der Ihnen nahesteht, über die Häufigkeit des Spielens angelogen?
Zwei weitere Fragen betreffen Kritik von außen und Schuldgefühle. Wer eine oder mehrere mit Ja beantwortet, für den kann das ein Zeichen sein, dass das Spielverhalten nicht mehr unbedenklich ist. Dann sollte man sich unterstützen lassen.
Nach welchen Kriterien stellen Fachleute die Diagnose?
Spielsucht gilt als Krankheit, der Fachbegriff lautet „Störung durch Glücksspielen“ (Kennung F63.0). Das DSM-5, das psychiatrische Klassifikationsmanual, verlangt dafür mindestens vier von neun Kriterien innerhalb von zwölf Monaten. Der Glücksspiel-Survey 2025 nutzt diese Kriterien für seine Erhebung und nennt sie vollständig; wir geben sie sinngemäß wieder.
| Nr. | Kriterium (sinngemäß) |
|---|---|
| 1 | Immer höhere Einsätze, um die gewünschte Erregung zu erreichen |
| 2 | Unruhe und Reizbarkeit beim Versuch, weniger zu spielen |
| 3 | Wiederholte erfolglose Versuche, das Spielen zu kontrollieren oder aufzugeben |
| 4 | Starke gedankliche Beschäftigung mit dem Glücksspiel |
| 5 | Häufiges Spielen in belastenden Gefühlszuständen |
| 6 | Rückkehr am nächsten Tag, um Verluste auszugleichen |
| 7 | Belügen anderer, um das Ausmaß zu vertuschen |
| 8 | Gefährdung oder Verlust von Beziehung, Arbeit oder Ausbildung |
| 9 | Verlassen auf fremdes Geld, um die finanzielle Notlage zu überwinden |
Vier bis fünf erfüllte Kriterien gelten als leichte, sechs bis sieben als mittlere und acht bis neun als schwere Störung. Ein bis drei Kriterien bedeuten keine Diagnose, aber ein riskantes Spielverhalten ist dann nicht auszuschließen. Die Diagnose selbst stellen Fachleute im Gespräch, nicht eine Liste im Internet.
Wie entsteht Spielsucht?
Das BIÖG beschreibt einen Teufelskreis:
- 01Spaß
Das Spielen macht Freude, Gewinnen fühlt sich gut an.
- 02Ausblenden
Verluste werden ausgeblendet, der nächste Gewinn wird wichtiger.
- 03Steigerung
Die Einsätze steigen, es wird öfter und länger gespielt.
- 04Hinterherspielen
Die Verluste wachsen, viele spielen weiter, um Verlorenes zurückzugewinnen.
- 05Kontrollverlust
Das Leben dreht sich um das Spiel, Betroffene können nicht mehr aufhören. Viele schämen sich und verheimlichen es.
Ob jemand süchtig wird, hängt von mehreren Faktoren ab: Eigenschaften der Person, Lebensumstände wie Suchtprobleme in der Familie, Glücksspiel als Ablenkung von Problemen, ständige Verfügbarkeit, Spielen zum Ausgleich von Verlusten. Auch die Spiele unterscheiden sich im Suchtpotenzial. Mehr zu den Denkfehlern dahinter: Spielerfehlschluss und Hausvorteil.
Welche Glücksspiele machen besonders schnell abhängig?
Das BIÖG nennt als Spiele mit dem höchsten Risiko Geldspielautomaten in Spielhallen und Gaststätten, dazu Poker, Sportwetten und das „kleine Spiel“ im Casino. Entscheidend ist nicht der Name, sondern die Bauweise des Spiels. Je schneller und öfter ein Spiel Einsätze verlangt, desto größer die Gefahr.
Das BIÖG führt diese Merkmale auf: eine hohe Ereignisfrequenz (am Automaten im Sekundentakt, beim Lotto zweimal pro Woche), mehrere Spiele parallel und lange am Stück, unbegrenzte Einsatzhöhe, hohe Gewinnwahrscheinlichkeit, große Jackpots, häufige Fast-Gewinne und schnelle Auszahlung. Auch leichter Zugang wie bei Online-Glücksspielen und Ton- und Lichteffekte am Automaten erhöhen das Risiko.
Dazu passen die deutschen Regeln für Online-Slots: fünf Sekunden Mindestdauer, 1 Euro Einsatz im Regelfall, kein Autoplay. Der Glücksspiel-Survey 2025 zeigt, wie sich die Spielformen unterscheiden:
| Spielform | Anteil mit Störung unter den Spielenden dieser Form |
|---|---|
| virtuelle Automatenspiele | 32,5 % |
| Glücksspielautomaten in Spielbanken | 28,1 % |
| Live-Sportwetten | 27,0 % |
| Geldspielautomaten in Spielhallen und Gastronomie | 23,4 % |
| LOTTO 6aus49 | 5,3 % |
| Eurojackpot | 6,0 % |
Die Zahlen gelten innerhalb der Gruppe, die diese Form nutzt, nicht in der Gesamtbevölkerung. Mehr dazu auf der Seite Glücksspiel in Zahlen.
Wie viele Menschen in Deutschland sind spielsüchtig?
Nach dem Glücksspiel-Survey 2025 erfüllen 2,2 Prozent der 18- bis 70-Jährigen die DSM-5-Kriterien einer Glücksspielstörung, weitere 5,5 Prozent zeigen ein riskantes Spielverhalten. Das BIÖG nennt auf seiner Seite für Betroffene etwa 500.000 Menschen mit problematischem oder pathologischem Spielverhalten. Beides sind Schätzungen aus Befragungen; wer das Spielen verheimlicht, fehlt in solchen Zahlen oft.
| Gruppe (18 bis 70 Jahre, Survey 2025) | Anteil |
|---|---|
| keine Spielteilnahme in 12 Monaten | 62,9 % |
| unproblematisches Spielen | 29,5 % |
| riskantes Spielen (1 bis 3 Kriterien) | 5,5 % |
| Glücksspielstörung, leicht | 0,9 % |
| Glücksspielstörung, mittel | 0,6 % |
| Glücksspielstörung, schwer | 0,6 % |
Unter allen, die in den zwölf Monaten gespielt haben, liegt der Anteil mit Störung bei 5,8 Prozent. Der Wert für die Gesamtbevölkerung ist über die Erhebungen stabil geblieben: 2,3 Prozent 2021, 2,4 Prozent 2023, 2,2 Prozent 2025.
Was können Angehörige tun?
Das BIÖG bietet unter dem Namen „Time Out“ persönliche Online-Beratung für Angehörige an, dazu E-Mail- und Telefonberatung und eine Suche nach Hilfe vor Ort. Das Gesetz kennt außerdem die Fremdsperre: Ein Anbieter sperrt Spielende, wenn er aufgrund eigener Wahrnehmung oder Meldungen Dritter annehmen muss, dass sie spielsuchtgefährdet oder überschuldet sind (§ 8a Abs. 1 GlüStV 2021). Einen Antrag auf Fremdsperre können Sie auch bei der Stelle stellen, die die Sperrdatei führt (§ 8a Abs. 2). Die betroffene Person bekommt vorher Gelegenheit zur Stellungnahme und wird danach in Textform informiert.
Woran erkennen Sie Spielsucht bei Partner, Eltern oder Kind?
Das BIÖG nennt vier Hinweise: Zieht sich die Person wegen des Spielens zurück, und Sie verbringen weniger Zeit zusammen? Fehlt ständig Geld für wichtige Zahlungen? Gibt es häufig Streit wegen des Geldes? Lügt die Person oder hält Versprechen nicht ein?
Ein „Ja“ auf eine oder mehrere dieser Fragen ist ein Hinweis, kein Beweis.
Das BIÖG rät, das Gespräch zu suchen, in der Ich-Form zu bleiben und keine Vorwürfe zu machen, sondern die eigene Wahrnehmung und die eigenen Gefühle zu beschreiben. Wichtig ist auch die Regel zum Geld: Leihen Sie Betroffenen niemals Geld und zahlen Sie keine Schulden zurück, denn das ermöglicht nach dem BIÖG eher weiteres Spielen. Getrennte Konten schützen die eigenen Finanzen. Und die Person sollte nicht als schwach gelten, sondern als krank: Sie kann dem Spieldruck manchmal kaum widerstehen, auch wenn sie am liebsten sofort aufhören würde.
Wie wirkt sich Spielsucht auf Geld und Beziehungen aus?
Das BIÖG beschreibt Glücksspielsucht als ein Spielverhalten, das zu deutlichen Problemen für den Spielenden und sehr häufig auch für sein Umfeld führt. Dazu gehören finanzielle Schwierigkeiten und Probleme im sozialen Umfeld. Viele schämen sich und verheimlichen das Spielen, die Folgen bleiben deshalb lange unsichtbar.
Für die Schulden gibt es kostenlose Schuldnerberatung, die mit Ihnen einen Plan zum Abbau erstellt; Beratungsstellen finden Sie über forum-schuldnerberatung.de. Bei familiären Problemen hilft die Familien- und Erziehungsberatung, auf Wunsch anonym. Das BIÖG betont, dass sie gerade für Angehörige und Kinder wichtig ist.
Was gilt für Kinder und Jugendliche?
Glücksspiel um Geld ist unter 18 Jahren nicht erlaubt: Anbieter müssen Minderjährige ausschließen (§ 4 Abs. 3 GlüStV 2021). Trotzdem gab im Glücksspiel-Survey 2025 jede neunte Person zwischen 16 und 17 Jahren an, in den letzten zwölf Monaten mindestens einmal um Geld gespielt zu haben (11,6 Prozent). Der Survey ist eine Befragung, wo das Spielen stattfand, ordnet er dort nicht einzelnen Anbietern zu.
Für Eltern gelten dieselben Warnzeichen wie bei Erwachsenen: Rückzug, Geldprobleme, Streit, Lügen. Das BIÖG verweist für familiäre Probleme auf die Familien- und Erziehungsberatung und auf sein Angebot für Angehörige.
Welche Behandlung gibt es, und wer bezahlt sie?
Das BIÖG zählt auf: Telefonberatung, Beratungsstellen, Fachkliniken und Psychotherapie, Selbsthilfegruppen, E-Mail- und Online-Beratung, ein Forum, Schuldnerberatung und Familienberatung. Spieler- und Suchtberatungsstellen helfen kostenlos, persönlich und auf Wunsch anonym. Der Weg in eine Fachklinik führt oft über die Beratungsstelle oder den Hausarzt.
Zur Frage, wer die Kosten übernimmt, sagt das BIÖG: Die Beratungsstellen helfen bei der Suche nach einem Therapieplatz und bei der Klärung der Kostenübernahme durch den Sozialversicherungsträger. Der Hausarzt kann die Beantragung einer Behandlung in einer Fachklinik unterstützen. Eine Psychotherapie bei einer Fachärztin, einem Facharzt oder einem Psychologischen Psychotherapeuten kann ebenfalls helfen. Konkrete Kostensätze nennt das BIÖG nicht, und wir erfinden keine.
Lässt sich Spielsucht ohne Therapie bekämpfen?
Eine Garantie gibt es in keiner Richtung, und ein Text kann das nicht entscheiden. Das BIÖG bietet ein Programm für alle, die erst einmal ohne Klinik aufhören wollen: „Check Out“, ein interaktives Online-Beratungsprogramm, in dem Sie vier Wochen lang professionell begleitet werden, kostenlos und anonym. Dazu kommen Selbsthilfegruppen und das moderierte Forum des Fachverbands Glücksspielsucht.
Nicht empfohlen wird nach dem BIÖG das „kontrollierte Spielen“, wenn es schon einmal Probleme gab: Es führe sehr häufig zu einem erneuten Kontrollverlust und damit zu noch größeren Schäden. Wer Abstand gewinnen will, nutzt zusätzlich die OASIS Sperre; wie sie funktioniert, steht unter OASIS-Sperre und Spielerschutz.
Was tun bei einem Rückfall?
Ein Rückfall ist nach dem BIÖG kein persönliches Scheitern. Sie können ihn nutzen, um besser zu verstehen, welche Situationen für Sie riskant sind und wie Sie sich noch besser schützen. Betrachten Sie ihn als Warnsignal, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Wenden Sie sich dann an eine Vertrauensperson oder an eine Stelle, die Ihnen schon geholfen hat. Wenn Sie noch nie Hilfe hatten, erreichen Sie die Beratungshotline des BIÖG kostenlos unter 0800 1 37 27 00. Sie läuft montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr und freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr.
Was hilft jetzt?
Glücksspielsucht ist eine Krankheit, die nach dem BIÖG erfolgreich behandelt werden kann. Der Einstieg ist niedrigschwellig:
- 01Anrufen
0800 1 37 27 00: die Beratung des BIÖG, kostenlos und anonym.
- 02Online beraten lassen
check-dein-spiel.de bietet Online- und E-Mail-Beratung, einen Selbsttest, die Suche nach Hilfe vor Ort und das Ausstiegsprogramm „Check Out“.
- 03Vor Ort Hilfe suchen
Beratungsstellen, Kliniken und Selbsthilfegruppen; die GGL verweist auf das Suchthilfeverzeichnis der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen.
- 04Sofort Abstand schaffen
Im Spielersperrsystem OASIS sperren lassen, mindestens drei Monate, kostenlos.
Wie die Sperre gesetzt und später aufgehoben wird, steht unter OASIS-Sperre und Spielerschutz. Eine Sperre ersetzt kein Gespräch, sie schafft aber den Abstand, den ein Gespräch oft zuerst braucht.

