- vierblättriger Klee (Untersuchung 2017)
- 1 : 5.076
- fünfblättriger Klee
- 1 : 24.390
- Blätter am Rekord-Klee, Japan, 2. August 2023
- 63
- der japanischen Daruma aus Takasaki
- 80 %
Welche Glücksbringer kennt Deutschland?
Die deutschen Glückssymbole haben meist einen praktischen Kern. Der Schornsteinfeger hielt Kamine frei, das Hufeisen kam vom Pferd als Sinnbild der Kraft, der Marienkäfer fraß Schädlinge. Aus dem Nützlichen wurde im Lauf der Zeit das Glückliche.
| Symbol | Herkunft und Deutung |
|---|---|
| Schornsteinfeger | Schützte laut Wikipedia vermutlich vor Folgen verstopfter Schornsteine und vor Bränden. In Österreich verkaufen Schornsteinfeger zu Neujahr Glücksmünzen der staatlichen Münze, in Großbritannien und Norwegen bringen sie Brautpaaren Glück. Ausbildung: drei Jahre, dual. |
| Vierblättriges Kleeblatt | Beruht auf einer Mutation; Forschende der University of Georgia fanden ein Gen, das die Vierblättrigkeit steuert, vom Dreiblatt-Gen aber überdeckt wird. Phosphate im Dünger und das Pflanzenhormon Auxin erhöhen die Häufigkeit. Belegt seit mindestens dem 17. Jahrhundert; die vier Blätter stehen für Hoffnung, Glaube, Liebe und Glück. Es soll zufällig gefunden sein, nicht gezüchtet. |
| Hufeisen | Das Pferd steht für Kraft, das Eisen hing über Türen, Kaminen und an Schiffsmasten. Gefunden gilt es als glücksbringend, wenn noch mindestens drei Nägel steckten. Öffnung nach oben: Teufelshörner oder Pforte für das Glück. Nach unten: Das Glück fließt zum Besitzer. |
| Glücksschwein | Der Eber war den Germanen heilig. Das Schwein steht für Wohlstand, Fruchtbarkeit und Kraft; zu Silvester als Marzipanschwein, oft mit Schornsteinfeger, Pfennig oder Klee. |
| Marienkäfer | Bote der Mutter Gottes, soll Kinder schützen und Kranke heilen. Bauern hielten ihn für ein Geschenk Marias. |
| Fliegenpilz, Glückspfennig, Hasenpfote | Beim Fliegenpilz ist die Herleitung unbekannt, obwohl er giftig ist. Der Pfennig wünscht, dass das Geld nie ausgeht. Die Hasenpfote soll nur echt wirken. |
Beim Marienkäfer ist der Name selbst der Beleg: Weil er der Landwirtschaft nützte, hielten Bauern ihn für ein Geschenk der Maria und benannten ihn nach ihr. In Schweden heißt der Siebenpunkt-Marienkäfer „Marias Schlüsselmagd“, die sieben Punkte sollen auf die sieben Tugenden der Heiligen verweisen. Man darf ihn nach dem Volksglauben nicht abschütteln oder töten, sonst zieht man Unglück an.
Der Glückspfennig gilt als kleine Ausgabe des goldenen Tauftalers oder des Weihgroschens, der in früheren Jahrhunderten an die Stalltür genagelt oder mitgeführt wurde, um Hexen zu vertreiben. Heute steht das 1-Cent-Stück an seiner Stelle. Die slowenische Variante trägt einen Storch und wird deshalb gern zur Geburt eines Kindes geschenkt.
Was verschenkt man zu Silvester als Glücksbringer?
Zum Jahreswechsel ist das Schwein der Klassiker, und zwar selten als Tier, fast immer als Nachbildung aus Marzipan. Es trägt oft einen Schornsteinfeger als Reiter, im Maul steckt ein Glückspfennig oder ein vierblättriges Kleeblatt. Die Redensart „Schwein haben“ für „Glück haben“ kommt von dort. Dahinter stehen drei Überlieferungen:
- Die Germanen verehrten den Eber. Der Wagen des Gottes Freyr wird in der Überlieferung vom Eber Gullinborsti gezogen.
- Bei den Griechen und Römern galt als privilegiert, wer viele Schweine und damit Nahrung besaß.
- Nicht überall funktioniert die Geste: In osteuropäischen Ländern wie der Ukraine hat das Schwein eher einen negativen Ruf, und für Juden und Muslime gilt es als „unrein“.
Ein Marzipanschwein verschenkt man also am besten an Menschen, die damit etwas anfangen können.
Wie selten ist ein vierblättriges Kleeblatt wirklich?
Die Zahl „1 zu 10.000“ hält sich hartnäckig, ist aber zu hoch gegriffen. Eine Untersuchung von 2017 zählte rund 5,7 Millionen Kleepflanzen in sechs europäischen Ländern und kam auf ein vierblättriges Exemplar je 5.076 normalen dreiblättrigen. Fünfblättrige sind mit 1 zu 24.390 deutlich seltener, sechsblättrige mit 1 zu 312.500 noch einmal um ein Vielfaches.
- gezählte Kleepflanzen, Untersuchung 2017
- 5,7 Mio.
- sechsblättriger Klee
- 1 : 312.500
- Blätter beim Rekord 2009 und 2023
- 56 → 63
- gesammelte vierblättrige Kleeblätter (Rekord)
- 118.791
Warum es sie überhaupt gibt, ist nicht abschließend geklärt. Als mögliche Ursachen nennt die Wikipedia ein selten auftretendes rezessives Gen, eine Mutation einzelner Zellen oder Umwelteinflüsse. Wer eines gefunden hat, sollte sich im Umkreis umsehen: Pflanzen mit einem Blatt dieser Art bilden häufiger weitere.
Die Rekorde stammen aus Japan. Laut Guinness World Records hatte das größte je gefundene Kleeblatt 63 Teilblätter und wurde am 2. August 2023 von Yoshiharu Watanabe in Nasushiobara gefunden, den Vorgänger mit 56 Blättern hatte Shigeo Obara 2009 in Hanamaki entdeckt. Beide haben ihre Pflanzen über Generationen gekreuzt, es war also Zucht und kein Zufallsfund. Wer dagegen nur sammeln will: Die Amerikanerin Gabriella Gerhardt hält mit 118.791 vierblättrigen Kleeblättern den Sammelrekord.
Welche japanischen Glücksbringer gibt es?
Zwei Figuren prägen das Bild: die winkende Katze Maneki-neko und die rote Puppe Daruma. Beide stehen in Läden, Restaurants und Büros, aber sie dienen verschiedenen Zwecken. Die Katze holt Kundschaft und Geld herein, die Puppe hält ein Ziel wach. So wurde die Daruma zur Glückspuppe:
- 01Vorbild
Die Puppe geht auf den Mönch Bodhidharma zurück, den Begründer des Zen.
- 02Tempel
Im Shorinzan-Daruma-Tempel in Takasaki entstanden Neujahrsglücksbringer, die jeweils ein Jahr gelten sollten.
- 03Meiwa-Zeit
Der neunte Priester Togaku ließ die Gemeinde die Figuren zu Beginn der Zeit (1764–72) selbst herstellen und gab Holzformen für Papiermaché aus.
- 04Gebrauch
Beim Kauf sind beide Augen leer: Das linke wird beim Setzen eines Ziels gemalt, das rechte, wenn es erreicht ist.
Die deutsche Wikipedia nennt außerdem die „Vier Affen“ als japanischen Glücksbringer und verweist auf das verwandte Motiv der drei Affen.
Welche Glückstiere und Talismane gibt es weltweit?
| Talisman | Land | Was belegt ist |
|---|---|---|
| Maneki-neko | Japan | Drei Herkunftslegenden (Gōtoku-ji, Imado-Schrein, Jishōin-Tempel); schriftlich erstmals 1852 in einer Chronik von Edo, Hiroshige zeigte im selben Jahr eine verkaufte Variante, 1876 ein Zeitungsbericht, 1902 eine Anzeige. Farben: Schwarz wehrt Böses ab, Rot Gesundheit, Gold Reichtum, Rosa Liebe. Meist mit Koban-Münze. Die linke Pfote bringt laut englischer Wikipedia Kundschaft, die rechte Geld, die deutsche Wikipedia ordnet es umgekehrt zu. |
| Daruma | Japan | Hohle Puppe des Zen-Begründers Bodhidharma, der neun Jahre vor einer Wand meditiert haben soll, daher ohne Arme und Beine. Beide Augen sind beim Kauf leer: links beim Zielsetzen, rechts beim Erreichen. Takasaki (Gunma) stellt etwa 80 Prozent her; Time berichtete 1967 von Wahlkampf-Darumas. |
| Nazar | Mittelmeer, Naher Osten | Blaue Glasperle gegen den bösen Blick: „nazar boncuğu“ (Türkei), „máti“ (Griechenland), „cheshm nazar“ (Persisch). Zerbricht sie, hat sie einen besonders starken Fluch aufgenommen. Seit 2018 als Emoji. |
| Pixiu | China | Mischwesen mit Drachenkopf und Löwenkörper, zieht Reichtum an und liebt den Geruch von Gold und Silber. Laut Legende strafte der Jadekaiser es mit einer versiegelten Rückseite: Es nimmt Gold auf, gibt es nicht wieder her. Im Feng Shui dienen Statuen dem Wohlstand. |
Weitere Beispiele aus der deutschen Wikipedia:
- Der Chan Chu ist ein dreibeiniger chinesischer Ochsenfrosch mit roten Augen, der auf einem Münznest sitzt und eine Münze im Maul hält. Er soll Reichtum bringen und beschützen und steht vor der Eingangstür mit Blick nach innen.
- In Neapel hilft das „corno“, ein Horn in Form einer Peperoni, gegen den bösen Blick. Es war schon im antiken Pompeji üblich.
- Im Norden Indiens heißen aufgeklebte kleine Fußabdrücke, die „Lucky Feet“, Besucher auf der Türschwelle willkommen.
Was wünscht man vor einer Prüfung statt eines Glücksbringers?
Das Wort ist „Toi, toi, toi“. Laut Duden entstand es als lautmalerischer Ersatz für dreimaliges Ausspucken, das nach dem Volksglauben Glück brachte, bis das Spucken im 18. Jahrhundert als unanständig galt. Gemeint war ein Gegenzauber gegen den Neid böser Geister: Wer jemandem Glück wünscht, könnte sie erst herbeirufen.
Dazu gehören weitere Gesten und Rufe:
- Klopfen auf Holz, das die Wikipedia auf die Legende um die heilige Helena zurückführt, und der Zusatz „unberufen“.
- Am Theater kommt das „Toi, toi, toi“ über die linke Schulter, und der Schauspieler bedankt sich nicht.
- In Frankreich ruft man Schauspielern und Prüflingen „merde“ zu. Das geht vermutlich auf die Zeit der Pferdekutschen zurück: Viele Kutschen vor dem Theater hinterließen viel Mist, ein volles Haus also.
Wie wirken Glücksbringer wirklich?
Die Psychologin Lysann Damisch (Universität Köln) berichtete 2010 in „Psychological Science“, dass Teilnehmende mit „Glücks“-Objekten bei Aufgaben besser abschnitten, unter anderem beim Golf-Putten. Der Glaube kann also die eigene Leistung beeinflussen. Auf Zufallsspiele lässt sich das nicht übertragen: Ein Talisman ändert keine Wahrscheinlichkeit.
Warum wir trotzdem Muster sehen, erklärt der Spielerfehlschluss, was Zufall in Zahlen heißt, Erwartungswert und Hausvorteil.




