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Glücksspiel im Wilden Westen: Faro, Poker, Saloons und ihre Spieler

Faro vor Poker: Wie in Saloons und Goldgräberstädten gespielt wurde, wer dort verdiente und warum die Spieler betrogen.

Faro in fast jedem Spielsaal
1825–1915
früheste Pokerbeschreibung (20 Karten)
1829
Einwohner Deadwoods auf dem Höhepunkt (Wikipedia nennt beide Werte)
12.000 bis 25.000
Nevada legalisiert das Glücksspiel
1931

Welche Daten prägen das Glücksspiel im Wilden Westen?

JahrEreignis
spätes 17. Jh.Faro entsteht in Frankreich unter Ludwig XIV., Vorläufer Basset
1825–1915Faro dominiert die Spielsäle des Alten Westens
1829Joe Cowell beschreibt Poker auf einem Dampfschiff, mit 20 Karten
1830erSpielerboote tragen Poker auf dem Mississippi weiter
1848–1855Goldrausch, San Francisco überholt New Orleans als Hauptstadt des Glücksspiels
2. August 1876Wild Bill Hickok wird in Deadwood beim Pokern erschossen
26. Oktober 1881Schießerei am O.K. Corral in Tombstone, rund 30 Sekunden, rund 30 Schüsse
Februar bis Juni 1883Luke Short übernimmt den Long Branch, wird am 30. April aus Dodge City gedrängt, 10. Juni: Foto der „Dodge City Peace Commission”
8. Februar 1887Short tötet Jim Courtright in Fort Worth
8. November 1887Doc Holliday stirbt an Tuberkulose in Glenwood Springs
1917Reformer haben fast alle Pferderennbahnen per Landesgesetz geschlossen
1931Nevada: Assembly Bill 98
1989Deadwood erlaubt Glücksspiel wieder

Wie funktionierte Faro?

  1. 01
    Deck mischen

    Ein Deck mit 52 Karten kommt gemischt in eine Geberbox, den Schlitten.

  2. 02
    Erste Karte abwerfen

    Damit bleiben 51 Karten im Spiel.

  3. 03
    Gegen die Bank spielen

    Die Spieler setzen auf eine der 13 Kartenwerte des Spielbretts, der Banker zieht Paare von Karten.

  4. 04
    Trickserei

    Geber betrogen zunehmend, um mehr zu verdienen. Die Box sollte Manipulation erschweren, half nur bedingt.

„Den Tiger bekämpfen“ („bucking the tiger“) stammt von frühen Kartenrückseiten mit Bengal-Tiger. Viertel mit viel Faro hießen „tiger town“, kleine Lokale „tiger alley“. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand das Spiel weitgehend, einzelne Casinos in Las Vegas und Reno boten es bis 1985 an.

Wo lag der Vorteil der Bank beim Faro?

Gespielt wurde auf einem ovalen Tisch mit grünem Filz, auf dem ein Brett mit den 13 Karten einer Farbe (traditionell Pik) aufgeklebt war. Jeder Spieler legte seinen Einsatz auf einen Kartenwert. Die Chips („checks“) kaufte man beim Banker, üblich waren Werte von 50 Cent bis 10 Dollar.

Zug des BankersWirkung
erste Karte („soda“)wird abgeworfen, 51 Karten bleiben im Spiel
Karte des Bankersalle Einsätze auf diesen Kartenwert gewinnt die Bank
zweite Karte („Gewinnkarte“)alle Einsätze auf diesen Wert zahlt die Bank 1 zu 1
Doublettebei zwei gleichen Karten gewinnt die Bank die Hälfte der Einsätze auf diesen Wert
letzte drei Karten („call the turn“)Wette auf die Reihenfolge der Karten: Chance 5 zu 1, Auszahlung 4 zu 1

Der Vorteil lag also in den Doubletten und der Turn-Wette, nicht in einer Gebühr. Deshalb galt Faro unter ehrlichen Bedingungen als das Spiel mit den besten Chancen für die Spieler. Wer Faro im Westen spielte, musste aber damit rechnen, dass die Bedingungen nicht ehrlich waren.

Warum war Faro so betrugsanfällig?

Weil der Vorteil der Bank klein war, rüsteten sich Geber nach. Manipulierte Geberboxen („gaffed boxes“) hatten einen kleinen Spiegel oder ein Prisma, damit der Geber die nächste Karte sah, oder ließen ihn zwei Karten auf einmal ziehen, um die auszahlende zu verstecken. Gefälschte Ausrüstung gab es fertig zu kaufen: Viele Ausrüster für Spielhäuser lieferten eigens manipulierte Boxen. Ausgaben von „Hoyle’s Rules of Games“ warnten in ihrem Faro-Kapitel, in den Vereinigten Staaten sei keine einzige ehrliche Faro-Bank zu finden.

Auch Spieler betrogen: Sie zogen mit einem Seidenfaden oder einem Pferdehaar den Einsatz auf die Gewinnkarte oder zupften die „Copper“-Marke, die eine Wette umdreht, vom Stapel. Wer ertappt wurde, geriet oft in eine Schlägerei oder eine Schießerei. Als Gegenmittel diente der „Casekeeper“, ein abakusähnliches Zählbrett, das zeigte, welche Karten schon gefallen waren; im Westen hieß sein Bediener „Sargfahrer“.

Vom Schwindler Soapy Smith heißt es, dass 1889 in seinem Tivoli Club in Denver jeder Faro-Tisch manipuliert war (Wikipedia). Aus dem Faro-Alltag stammt auch die Redewendung „from soda to hock“, von der ersten bis zur letzten Karte, also „von Anfang bis Ende“.

Wie kam Poker in den Westen?

Cowell sah das Spiel 1829 mit nur 20 Karten von Ass bis Zehn. Stud-Poker mit sieben Karten kam Mitte des 19. Jahrhunderts auf und verbreitete sich nach Wikipedia vor allem durch das US-Militär. Flussbootspieler bildeten eine eigene Elite mit guter Kleidung und teurem Schmuck: Hier beginnt das Bild des eleganten Berufsspielers. In Deadwood, entstanden im April 1876, starb Wild Bill Hickok beim Pokern. Nach Wikipedia war das Glücksspiel in der Siedlerzeit allgegenwärtig: Fast jeder spielte, und in den Städten am Ende der Viehtrails wie Deadwood oder Dodge City gab es prunkvolle Spielhäuser. Die Berufsspieler der Grenze bildeten die örtliche Elite.

Was geschah in Dodge City und Tombstone?

Dodge City hieß „Wickedest Little City in America“, mit Long Branch Saloon, Spielhallen und Bordellen. Den Höhepunkt des Viehhandels erlebte die Stadt 1883 und 1884. Luke Short, Berufsspieler und Besitzer des Long Branch, wurde am 30. April 1883 mit fünf anderen Spielern festgenommen und am Tag darauf zum Bahnhof geleitet. Er kehrte mit Verbündeten wie Wyatt Earp und Bat Masterson zurück, und am 4. Juni ordnete der Bürgermeister die Schließung aller Spielhallen an. Der Druck des Gouverneurs und der Santa-Fe-Bahn, die gut an der Stadt verdiente, beendete den Streit; die Spielhallen und Saloons öffneten wieder, und am 10. Juni entstand das Foto der „Dodge City Peace Commission“.

In Tombstone stand Short am 25. Februar 1881 als Aufpasser neben dem Faro-Geber im Oriental Saloon, als es zum Schusswechsel mit Charlie Storms kam. Die Geschworenen werteten Shorts Schüsse als gerechtfertigt. Earp arbeitete damals im Oriental als Faro-Geber. 1885 kam der Western Trail durch die Quarantänelinie für Rinder fast zum Erliegen.

Wyatt Earp arbeitete laut Wikipedia in Tombstone als Faro-Geber. Doc Holliday machte 1872 mit 20 sein zahnärztliches Examen, erkrankte 1873 an Tuberkulose und zog der trockenen Luft wegen nach Westen. Weil der Husten ihn behinderte, wurde er Faro-Geber und Berufspokerspieler, spätestens seit Ende 1879. Earp sagte 1896: „Ein Zahnarzt, den die Not zum Spieler gemacht hat.“

Wann endete das freie Spiel?

Reformer der evangelikalen Bewegung setzten Landesgesetze durch, die bis 1917 fast alle Pferderennbahnen schlossen. Nevada ging 1931 den anderen Weg. Wie Hausvorteil und Erwartungswert rechnen, steht unter Erwartungswert und Hausvorteil, die heutigen Regeln unter Poker.

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1Welches Spiel lief im Alten Westen in fast jedem Spielsaal?
2Was bedeutet „den Tiger bekämpfen“?
3Wann legalisierte Nevada das Glücksspiel?

Häufige Fragen

Welches Glücksspiel war im Wilden Westen am verbreitetsten?

Faro. Nach Wikipedia wurde es von etwa 1825 bis 1915 in fast jedem Spielsaal des Alten Westens gespielt. Eine Analyse von 1882 nannte es das beliebteste Wettspiel. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand es weitgehend.

Was bedeutet „den Tiger bekämpfen“ („bucking the tiger“)?

Der Ausdruck bedeutet, gegen die Bank Faro zu spielen. Er geht auf frühe Kartenrückseiten mit einem Bengal-Tiger zurück. Spielviertel, in denen Faro verbreitet war, hießen „tiger town“, kleinere „tiger alley“.

Wann entstand Poker?

Die früheste dokumentierte Beschreibung stammt von 1829: Der englische Schauspieler Joe Cowell beschrieb ein Spiel auf einem Dampfschiff, gespielt mit 20 Karten. In den 1830er-Jahren trugen Spielerboote auf dem Mississippi das Spiel weiter.

Warum betrogen Faro-Geber?

Weil der Vorteil der Bank bei ehrlichem Spiel klein war. Um den Gewinn zu steigern, griffen Geber zunehmend zu Tricks. Die Geberbox (Schlitten) sollte Manipulation erschweren.

Wann wurde Glücksspiel in Nevada legalisiert?

1931 unterzeichnete der Bundesstaat Assembly Bill 98 und legalisierte die meisten Formen des Glücksspiels. In Deadwood, South Dakota, erlaubte die Legislative Glücksspiel 1989 wieder.

Quellen

  1. Wikipedia: Faro (card game)
  2. Wikipedia: Poker (Geschichte)
  3. Wikipedia: History of gambling in the United States
  4. Wikipedia: Doc Holliday
  5. Wikipedia: Gunfight at the O.K. Corral
  6. Wikipedia: Deadwood, South Dakota
  7. Wikipedia: Dodge City, Kansas
  8. Wikipedia: Luke Short
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